HUL
Lehren und Lernen
Foto: UHH/Denstorf
17. Juli 2026

Foto: UHH/Angela Sommer
Wir freuen uns, dass Dr. Ivo Raband, Absolvent des HUL-Zertifikatsprogramms, zu den Preisträger:innen des Hamburger Lehrpreises 2026 gehört. In einem Interview mit der Programmleitung Angela Sommer erzählt Ivo Raband über die Bedeutung hochschuldidaktischer Angebote.
Angela Sommer: Das ganze HUL gratuliert dir, lieber Ivo, sehr herzlich zum Hamburger Lehrpreis 2026, den du, ebenso wie 8 weitere Lehrende der UHH, am 7.7.26 von der Hamburger Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal überreicht bekommen hast. Wir beide haben uns im August 2023 anlässlich eines HUL-Workshops kennengelernt und seitdem durfte ich dich auf deinem Weg zum Didaktikzertifikat, das du im September 2024 erworben hast, begleiten. Daher interessiert mich natürlich rückblickend zu erfahren, welche Rolle unsere hochschuldidaktischen Angebote für deine Lehrkompetenzentwicklung gespielt haben?
Ivo Raband: Ganz herzlichen Dank für eure Glückwünsche. Nach fast zehn Jahren akademischer Lehrerfahrung als Wissenschaftlicher Mitarbeiter – im Herbstsemester 2014 unterrichtete ich meinen ersten eigenen Kurs als Doktorand an der Universität Bern – war mir 2023 klar geworden, dass meine eigene Lehre und Arbeit mit Studierenden fast ausschließlich durch eigene Erfahrungen als Student geprägt waren. Besonders die Überforderung durch die unerprobte, unbekannte und unbegleitete Distanzlehre während der Covid19-Pandemie sowie der starke Fokus auf das Thema Didaktik bei meinen Freund*innen im Lehramtsreferendariat hatten mich motiviert, diesen Zustand zu ändern und mich didaktisch weiterzubilden. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Workshop bei euch im August 2023, „Kurzberatung in Lehre und Studienberatung“, erinnern und als wie unmittelbar hilfreich ich diesen empfunden habe, um danach mit anderen Augen auf meine Arbeit in studentischen Sprechstunden zu blicken. Jeder der weiteren elf Kurse im Verlauf der nächsten 13 Monate hat mir geholfen, selbstkritisch und konstruktiv meine eigene Lehre zu hinterfragen und mir das Selbstvertrauen gegeben, neue didaktische Zugänge zu erproben. Es waren aber nicht nur die Kursinhalte, sondern auch die Kurse und ihre Dozent*innen selbst, die mir gezeigt haben, wie gute Lehre und didaktische Vermittlung funktioniert.
Angela Sommer: Was macht dir so viel Freude an der Lehre? Und wie vereinbarst du diese mit deinen weiteren Aufgaben in der Forschung, der akademischen Selbstverwaltung und deiner Karriere?
Ivo Raband: Ich habe das große Glück, dass Lehre im Fach Kunstgeschichte bedeutet, dass meine Kolleg*innen und ich in jedem Semester neue Kursinhalte anbieten können und wir im Gegensatz zu anderen Fächern keinen rotierenden Kurskanon „abarbeiten“ müssen. Damit stehen immer wieder neue spannende Themen, die ich selbst entlang meiner Forschungsinteressen wählen kann, im Vordergrund meiner Lehre. Gleichzeitig erlaubt mir dies auch, kontinuierlich an meinen didaktischen Zugängen zu arbeiten und zu prüfen, welche Lehr-Lern-Konzepte für Bachelor- oder Master-Studierende gut funktionieren. Für die Vereinbarkeit von Lehre, Forschung und Verwaltung hat mir vor allem die Weiterbildung bei euch am HUL geholfen, weil ich mit viel mehr Selbstvertrauen und Routine meine Kurse vorbereiten und durchführen kann. So helfen mir z. B. die Inhalte des Kurses „Studentische Texte sinnvoll und effizient kommentieren“ anhaltend, weil ich schneller meinen Stapel Hausarbeiten abarbeiten kann, dadurch Zeit für andere Aufgaben habe und gleichzeitig weiß, dass die Studierenden trotzdem genau das Feedback bekommen, das sie brauchen. Für meine Karriere in der Wissenschaft sehe ich akademische Lehre als einen wichtigen Grundstein. Als Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen zeigen wir in unseren Doktorarbeiten, dass wir fachlich grundiert forschen und argumentativ überzeugend schreiben können; arbeiten in der Wissenschaft schließt Lehre fast immer grundsätzlich mit ein und sollte daher ebenso wichtig gewertet werden.
Angela Sommer: Hast du abschließend einen Rat/eine Anregung/eine Empfehlung für andere Lehrende der UHH, die auch gute Lehre erbringen und vielleicht den nächsten Lehrpreis bekommen möchten?
Ivo Raband: Eine meiner Überzeugungen ist, dass wir nicht nur Studierende unterrichten, sondern bereits mit unseren zukünftigen Kolleg*innen zusammenarbeiten und darum als Dozierende gefragt und gefordert sind, die Studierenden fundiert auf ihren eigenen Weg im Fach und in der Gesellschaft vorzubereiten. Natürlich kann ich allen Kolleg*innen, egal ob (Post-)Doktorand*innen oder Professor*innen, nur mit Nachdruck empfehlen, das Angebot des HUL wahrzunehmen. Es ist wirklich für alle etwas dabei, um die eigene Arbeit in der Lehre zu reflektieren, eigene Zugänge zu befragen und neue Methoden zu erproben. Ganz grundsätzlich wirkt für mich eine Erkenntnis aus der Weiterbildung im Rahmen des Zertifikatserwerbs am HUL nach: Kommunikation ist der Grundstein guter Didaktik und Lehre. Ich erkläre meinen Studierenden nicht nur, was wir in den Kursen lernen, sondern auch warum und vor allem wie. Lehrpreise gewinnt man nicht, weil man jeden letzten Bereich einer Lehrveranstaltung didaktisch definiert hat, sondern wenn man Studierenden auf Augenhöhe begegnet und sie in ihrer eigenen Motivation und Arbeit bestärkt; und vor allem, wenn man selbst Spaß und Freude an der akademischen Lehre hat. Das spüren auch die Studierenden und diese sind es ja, die die Lehrenden der UHH für den Lehrpreis nominieren.
(Das Interview mit Dr. Ivo Raband führte die Programmleitung HUL-Workshops und Zertifikate, Angela Sommer)